Die 10 meistverwendeten Weinflaschenverschlüsse

Wenn man im Internet Wein kaufen möchte, findet man oft nur spärliche Weinbeschreibungen, oder man wird mit Begriffen überschüttet, mit denen man nur als Weinprofi etwas anfangen kann.
Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, starte ich heute eine Serie mit Begriffserklärungen für Menschen, die gerne Wein trinken, die sich aber mit den Fachbegriffen nicht so gut auskennen.

1. Naturkorken

Der Naturkorken stammt aus der dicken Rinde der Korkeiche. Sie wird vom Baum geschält und in Streifen geschnitten. Daraus wird der Korken gestanzt. Naturkorken gibt es in unterschiedlichen Qualitätsstufen, je nach Gleichmäßigkeit und Dichte der Rinde. Ein Naturkorken ist lange haltbar, geschmacksneutral und atmungsaktiv und verschließt die Flasche luft- und wasserdicht. Allerdings kann er im Laufe der Zeit austrocknen.Dadurch wird er undicht und kann sowohl Sauerstoff als auch Feuchtigkeit in die Flasche leiten.

2. Presskorken

Presskorken werden aus den Reststückchen der Korkenproduktion mit Leim als Bindemittel zusammengepresst. Man erhält so ein dem Naturkork ähnliches Produkt, welches sich aber industriell und dadurch deutlich billiger herstellen lässt.Presskorken werden hauptsächlich für günstige Weine verwendet und werden als weniger lagerfähig beurteilt.

3. Scheibenkorken/Verbundkorken

Eine Variante des Presskorkens, auf dessen Fußstück eine Naturkorkscheibe geleimt wurde. Die Scheibe mindert die Häufigkeit von Fehltönen, jedoch nur bei Weinen, die innerhalb eines Jahres getrunken werden. Kommt der Wein irgendwann mit dem Presskork in Berührung, steigt die Rate der Fehltöne wieder an.

4. Twintop (1+1 Kork, 2-Scheibenkorken)

mit Scheiben aus Naturkork, aufgeklebt auf beiden Korkenseiten. Dadurch kommt es zu einem günstigeren Verhalten des Korkens. Der TWINTOP® vereint die Optik eines Naturkorken mit den Vorteilen eines Presskorken.

Presskorken sind nicht sensorisch neutral. Sie sorgen leider immer für eine geschmackliche Veränderung. Scheibenkorken/Verbundkorken, Twintop ebenfalls, die Beeinträchtigung tritt nur zeitlich verzögert ein. Die obere Scheibe ist nur für das Auge.

5. Natur „Colmated“ Korken, Gefüllte Naturkorken

Gefüllte Naturkorken werden aus Naturkork einer einfacheren Qualität hergestellt. Die Poren im Kork sind mit einem mit Bindemittel gemischten Korkstaub gefüllt. Es handelt sich um die billigere Variante zum Naturkorken. Diese Art von Naturkorken sind poröser. Die Poren werden mit Staub aus natürlichem Kork gefüllt. Die Füllung verbessert seine Leistungs- und Widerstandfähigkeit. Um den Staub zu fixieren, wird ein Kleber auf natürlicher Harz-Basis oder ein Wasser-Kleber verwendet.

6. Diam

Diam wird aus aufwendig gereinigtem Naturkork produziert . Er wird ohne Klebstoff unter großer Hitze und hohem Druck komprimiert. Diam-Kork wird von immer mehr Produzenten erfolgreich eingesetzt. Er ist geprüft frei von Korkschmecker. Diam bewahrt die Aromen des Weins während seiner gesamten Lagerzeit und garantiert einen durchgehend einwandfreien Genuss.

Laut Rolf Cordes, Wein Consultant, verursachen alle DIAM Fehltöne. Details dazu:  www.diam-test.info

7. Kunststoffkorken, z.B. Nomacorc

Kunststoffkorken sind auslaufsicher, nicht anfällig für Korkschmecker und lassen sich leicht mit einem normalen Korkenzieher entfernen. Besonders bei Weißweinen haben sie sich bewährt. Sie werden aus verschiedenen Kunststoffen hergestellt und sind oft besser geeignet als Naturkorken. Die Haltbarkeit und die Sicherheit der Weine ist bei Kunststoffkorken höher als bei Naturkorken.

8. Drehverschluss (Stelvin)

Der Drehverschluss schließt die Flasche fast luftdicht ab und hinterlässt keine Geschmacksspuren. Zudem ist er einfach zu handhaben. Weine mit Schraubverschluss verlieren selbst nach längerer Lagerzeit nicht ihre Qualität und ihren Geschmack. Hochwertige Schraubverschlüsse werden mit einer Dichteinlage hergestellt und mit einer Zinnschicht versehen, die dafür sorgt, dass so gut wie kein Sauerstoff in die Flasche gelangt.

9. Glaskorken

Der Glaskorken hat einen großen Vorteil: den Geschmack des Weins nicht negativ zu beeinflussen. Den Glaskorken umgibt ein Silikonring, dadurch gelangt kein Sauerstoff ins Flascheninnere. So steht dem ungetrübten Weingenuss nichts im Wege. Auch optisch ist der Glaskorken eine formschöne Alternative zum Naturkorken.

10. Kronkorken

Kronkorken werden schon lange bei der Flaschengärung und anschließenden Hefelagerung von Champagnern und Schaumweinen verwendet. Sie stoßen bei vielen Weinfans auf Skepsis, die Assoziation zu Bierflaschen liegt nah.

Korkton

Als Korkton wird ein Geruchs- und Geschmacksfehler beim Wein benannt, der überwiegend auf den Korken zurückgeht. Er wird häufig durch Trichloranisol hervorgerufen. TCA kann ein Riechen anderer Gerüche vermindern oder vorübergehend unterdrücken. Lange Zeit wurde die Präsenz von Trichloranisol mit dem Bleichen der Korken begründet. Inzwischen werden die Korken hauptsächlich mit Wasserstoffperoxid gebleicht, ohne dass sich das Vorkommen des Korktons  grundlegend vermindert hätte. Die Bildung von Trichloranisol kann schon an der Korkeiche erfolgen und auf verschiedenen Ursachen beruhen.

Ein wenig Geschichte für die Bildung

Schon im alten Ägypten, antiken Griechenland und Assyrien wurden Amphoren mit Wein mittels Korkpfropfen verschlossen.
Allerdings wurden bis ins späte 17. Jahrhundert vorwiegend Ton-oder Holzstopfen benutzt, die in Öl getaucht und mit Hanf umwickelt wurden.

Als die Glasflasche die Amphoren/Krüge nach und nach ersetzte, musste eine neue Verschlussmöglichkeit gefunden werden. 1680 fand Pierre Pérignon, ein Benediktiner, heraus, dass diese Stopfen für den Transport von Schaumweinen nicht geeignet waren, da sie heraussprangen, und ersetzte sie durch Korkstopfen.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts übernahmen auch andere Champagnerhäuser die Verwendung von Korken.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts gewann Kork als Flaschenverschluss wirkliche Bedeutung: Es war sinnvoll, die Flaschen fest zu verschließen, da sich die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen ausweiteten. Ab 1890 setzte der große Aufschwung in der Korkproduktion ein.

Die ersten Flaschenkorken waren Handarbeit.

Sie wurden nur zu etwa drei Viertel in die Flasche gedrückt, da der

Korkenzieher noch nicht erfunden war. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden die ersten Korkenzieher entwickelt.
Nachdem Naturkork jahrzehntelang die bevorzugte Verschlussart für Weine war, ändert sich allmählich die Auffassung darüber, welches die zu beste Art des Flaschenverschlusses wäre. Der Naturkorken scheint hierbei nach neusten Erkenntnissen auf langfristig zu unterliegen.
Schuld daran sind neben den hohen Kosten für Naturkork, vor allem die Nachteile dieser Verschlussart:
Naturkorken können beim Wein gelegentlich „Korkgeschmack“ erzeugen. Kork verliert mit den Jahren auch an Elastizität und schrumpft. Dadurch wächst das Risiko der Oxidation des Weines, auch das Füllniveau von naturverkorkten Flaschen sinkt deshalb nach einigen Jahren Lagerung.

Seine Geschmacksneutralität und die Tatsache, dass es sich um eine nachwachsende Ressource handelt, sind Vorteile des Naturkorkens, er wird auch wegen seiner langen Haltbarkeit geschätzt.

Seit den 1990er Jahren werden Naturkorken zunehmend als wiederverwendbarer Recycling-Rohstoff gesammelt.

Korken werden üblicherweise beschriftet, um z.B. Fälschungen vorzubeugen, das nennt man Korkbrand.

Auch gut zu wissen: Herstellung

kork-herstellung

Die größte Korkenproduktion findet in Portugal statt, auch im Mittelmeerraum, Korsika, Sardinien und Südspanien wird Korken geerntet.

Korken werden aus der Rinde der Korkeiche (Quercus Suber) hergestellt. Sie erneuert sich immer wieder, so dass mehrmalig geerntet werden kann. Die erste Ernte, die zur Korkenproduktion verwendet werden kann, findet erst ab der dritten Schälung statt, also wenn der Baum etwa 40 Jahre alt ist. Danach wird alle neun bis zehn Jahre wieder geerntet. Da Korken Naturprodukte sind, verändern sie sich im Laufe der Zeit. Hochwertige Korken haben möglichst wenig Poren und sind glatt und fest.
Gute Korken haben eine Lebensdauer von 50-70 Jahren und werden im Laufe der Zeit oft kleiner und brüchiger. Je kleiner und brüchiger der Korken ist, desto älter ist oft auch die Flasche. Kostbare Weine, die zur längeren Lagerung bestimmt sind, können Sie beim Winzer neu verkorken lassen.
Für alle die nach einen hervoragenden Wissen über den Korken suchen empfele ich unbedingt die Lektüre: Von der Korkeiche zum Kork – Ein nachhaltiges System von natuerlichkork.de.

Damit Sie nicht den üblichen Vorurteilen aufsitzen:

Stefan Forster hat in seinem Blog „Das Weinmakler Magazin“ einen tollen Artikel zum Thema Weinkorken verfasst:
Der Weinkorken – 8 Irrtümer und stirbt der klassische Weinflaschenverschluss wirklich aus ?
Tolles Weinwissen, einfach erklärt.

Welche Korken bevorzugen Sie?
Haben Sie schon einmal schlechte Erfahrungen mit Weinverschlüssen gemacht?

Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen, die Sie als Kommentar hier hinterlassen können.

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